Zu einer antifaschistischen Demonstration unter dem Motto “Der Frust muss raus! Konsequent handeln gegen Nazis, Rassimsmus und staatliche Repression!” versammelten sich heute über 500 Personen in der Erfurter Innenstadt. “Die vielen Teilnehmerinnnen und Teilnehmer haben heute deutlich gemacht, dass wir mit unserem Frust nicht alleine sind und haben dies lautstark zum Ausdruck gebracht.” sagte Constanze Schubert aus der Vorbereitungsgruppe.
Die angemeldete Demonstration begann mit einer Auftaktkundgebung um 16Uhr auf dem Wenigemarkt, wo zahlreiche Passantinnen und Passanten in den Cafés die Veranstaltung wahrnehmen konnten. Mit Schildern, Transparenten und Redebeiträgen trug die Demonstration ihre Botschaften nach außen. “Wir haben Frust, weil wir von Nazis angegriffen werden, die Polizei diese Übergriffe entpolitisiert und die städtischen Behörden alternative Subkultur aus der Innenstadt verdrängen.” sagt Susanne Ulbrich.
In Redebeiträgen formulierten teilnehmende Gruppen ihre Kritik: Einerseits wurde die konkrete Situation in Erfurt beleuchtet, andererseits aber auch deren allgemeine gesellschaftlichen Entstehungsbedingungen thematisiert.
Paul Müller dazu: „Der Beitrag der organisierenden Gruppen aus dem Umfeld des politischen Ladenprojekts “veto” fokussierte die alltäglichen Bedrohungen, denen sich Migrant*innen, Punks, Nichtdeutsche und andere, die nicht in das Bild eines sauberen, angepassten, weißen Stadtbilds passen, ausgesetzt sehen. Dazu gehören gewalttätige Übergriffe von Nazis als auch diese der Polizei. Die Unterstützungsgruppe eines Betroffenen machte sich für eine breite Solidarität mit Opfern rechter Gewalt und kriminalisierten Antifaschist*innen stark und erklärte “Antifaschistischer Selbstschutz ist in Erfurt notwendig!”. Weitere Beiträge kamen von der Erfurter Antifagruppe AG17, der bundesweiten Kampagne “Rassismus-tötet!”, der Erfurter Flüchtlingsinitiative und der Antifa Arnstadt-Ilmenau.
Eine Teilnehmerin äußerte gegenüber der Vorbereitungsgruppe: “Die Größe und Stärke der Demonstration hat gezeigt, dass dieses Thema vielen wichtig ist, weil sie in ihrem Alltag mit Rassismus und Repression konfrontiert sind.” Zur Abschlusskundgebung betonte die Moderation nocheinmal, dass mit der kritischen Auseinandersetzung der Zustände in Erfurt nicht Schluss sein darf. “Wir müssen effektiven Widerstand gegen Rassismus, Sexismus, Nationalismus und Antisemitismus im Alltag leisten. Wir sind uns darüber im Klaren, dass dies heißt, die kapitalistische Gesellschaftsordnung als Ganze in die Kritik zu nehmen und treten gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft ein. Wandelt Frust in Widerstand!” betont Constanze.
In Erfurt wurde in letzter Zeit in verschiedenen Formen (z.B.: Pressegespräch 31.08 in der Offenen Arbeit, Straßenfest in der Michaelisstraße am 29.09., Demonstration 13.10) auf die nicht länger hinzunehmende Situation hingewiesen. Für November wurde eine Broschüre angekündigt, die sich mit den aktuellen Entwicklungen auseinandersetzt und diese dokumentiert, auch Betroffene und Akteurinnen und Akteure werden darin zu Wort kommen.